Mittendrin
Das Journal der Ev. Kirchengemeinde Barkhausen
November 2018 - März 2019
(Auszüge und Ergänzungen)

Mittendrin Bildschirmaufnahme

Foto: Gareth Harper/Unsplash

Teil 2

Aber bitte nicht zur Weihnachtszeit!


Es ist besonders die Advents- und Weihnachtszeit, in der die Luft voller Musik zu sein scheint.
Merkwürdigerweise wird in dieser Zeit nicht ständig neue Musik verlangt, sondern die Wiederholung
des Bekannten. Es kann passieren, dass junge Menschen nach dem Weihnachtsgottesdienst enttäuscht zum Pfarrer kommen und sich beschweren, dass ja gar keine richtigen Weihnachtslieder gesungen wurden. Was war gemeint? Der junge Pfarrer hatte sich überlegt, im Gottesdienst mal nicht immer „Stille Nacht“ und „O du fröhliche“ singen zu lassen. Das passierte ihm nie wieder! Er hat daraus gelernt: Gerne immer wieder was Neues, aber bitte nicht zur Advents- und Weihnachtszeit, denn das wäre ein Widerspruch in sich. Denn gerade diese „alten“ Lieder tragen die Menschen in das Weihnachtsgeschehen hinein und verbinden sie mit der Weihnachtsgeschichte und dem Weihnachtsgefühl, das sie von Kindesbeinen an begleitet hat. Hier nun die Geschichte einiger „richtiger“ Weihnachtslieder:

„Es ist ein Ros entsprungen ...“


Der Titel dieses Liedes hat schon oft zu Missverständnissen geführt, besonders bei Kindern. Was stellen sich die Kinder unter einem Ros vor, das entsprungen ist? Ist womöglich ein Ross gemeint? Ein Pferd? Das würde Sinn machen: Es ist ein Ross entsprungen. Doch das ist nicht gemeint.
Eine Rose im dunklen, kalten Winter ist gemeint. Sie ist ein Lichtblick, ein Zeichen der Hoffnung, ein Bild für das, was wir Weihnachten feiern, dass Gott in einem Kind in unsere Welt gekommen ist. Wir können davon reden, wir können es hören, aber letztlich fassen können wir es nicht, dass Gott sich in einem Menschen zeigt, in einem Kind – klein, schwach und arm. Es ist ein Wunder, vor dem wir staunend
stehen können, wie vor einer Rosenblüte „mitten im kalten Winter, wohl zu der halben Nacht“. „Es ist ein Ros entsprungen“ – Dieses Lied erzählt von diesem Wunder.



„Stille Nacht, heilige Nacht ...“


Heiligabend 1818 war es so weit. Der Hilfspriester Joseph Mohr und der Lehrer und Organist Franz Gruber sangen in der St. Nikolaus-Kirche zu Oberndorf bei Salzburg ihr neues Weihnachtslied mit der Gemeinde im Gottesdienst zum ersten Mal. Die Anregung zu dem Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ ging von Joseph Mohr aus. Er schrieb den Text. Sein Freund Gruber komponierte die Melodie. Begleitet wurde das Lied im Gottesdienst auf der Gitarre, da sich die Orgel der Kirche in einem miserablen
Zustand befand. 1825 bekam die Kirche eine neue Orgel. Sie wurde von einem Orgelbaumeister aus Tirol aufgebaut. Dieser Orgelbauer brachte das Weihnachtslied, das er in Oberndorf kennengelernt hatte, in seine Heimat. Von Tirol aus machte das Lied seinen Weg durch ganz Europa, nach Amerika und in die ganze Welt.

So entstand das Lied. Szene aus dem Film „Das ewige Lied“





„O du fröhliche ...“


Johannes Daniel Falk dichtete den Text in Weimar für Waisenkinder, um die er sich dort kümmerte. In Weimar verkehrte er mit Goethe, Herder und Wieland. Falk wusste, was es heißt, Schlimmes zu erleben. Vier seiner eigenen Kinder waren an Typhus gestorben. Danach änderte sich sein Leben schlagartig. Er gründete ein „Rettungshaus“, in dem bis zu 30 Kinder eine neue Heimat fanden. Er
gab ihnen zu essen und unterrichtete sie. Mit seinem Lied wollte er den Kindern Freude bereiten. Die Melodie lieh sich Falk bei einem alten sizilianischen Fischerlied. Noch im 19. Jahrhundert wurde „O du fröhliche“ in viele Sprachen übersetzt. In Barkhausen wird das Lied in der Weihnachtszeit immer zum Schluss des Gottesdienstes gesungen.



„Vom Himmel hoch ...“


Dieses bekannte Weihnachtslied dichtete Martin Luther wohl 1535 für die Weihnachtsbescherung seiner eigenen Kinder. Als Vorlage nimmt er die Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas. In kürzester Zeit entstehen 15 Strophen. Luther lässt Engel, Hirten und die Gläubigen in seinem Text zu Wort kommen, wie in einem Krippenspiel. Nicht nur Luthers Kinder haben sich über dieses Lied
gefreut. Noch im 16. Jahrhundert verbreitete es sich in rasanter Geschwindigkeit, wurde erst in ganz Deutschland gesungen, dann weltweit.
B. Hüffmann